Am 23. März will er sich
zusammen mit dem 47-jährigen Peter…
RESCHEID. „Es geht nicht um meine Person. Es
geht um die Aktion“, sagt der 50-jährige
Siggi Kurtz aus Rescheid. Am 23. März will er
sich zusammen mit dem 47-jährigen Peter
„Lotterchen“ Agricola aus dem osthessischen
Grebenhain von seinem Haus in Rescheid auf
einen 637 Kilometer langen Fußmarsch nach
Berlin begeben. Dort will er Norbert Lammert,
dem Präsidenten des Deutschen Bundestags,
einen Sack mit Unterschriften überbringen.
Mit diesen Unterschriften will er sich für
mehr Gerechtigkeit in Deutschland stark
machen.
Unterstützt wird Siggi Kurtz von der Gruppe
„Weg für soziale Gerechtigkeit“, die aus der
„wer-kennt-wen“-Internetplattform entstand.
Siggi Kurtz lehnt jegliche finanzielle
Unterstützung ab. Die Route ist komplett
ausgearbeitet. Er benötigt auf seinem Weg
noch Übernachtungsangebote, warme Mahlzeiten
und Möglichkeiten zur Körperpflege. „Wir
versuchen, ihn möglichst unbeschadet an
seinem Ziel ankommen zu lassen“, sagen seine
Helfer.
Zeitweise kann Kurtz bei einem Freund in
Essen übernachten. Jeden Tag will er 20
Kilometer zurücklegen, dabei für seine Aktion
werben und weitere Unterschriften sammeln.
Der Essener holt ihn dann nach der
zurückgelegten Tagesetappe ab und Kurtz kann
bei ihm schlafen. In fünf Wochen, exakt am
27. April, will er in Berlin anklopfen.
Auf jeden Fall wird seine Gruppe ein
Begleitfahrzeug stellen, auf dem auch für das
Projekt geworben wird. Seit dem 1. Januar ist
Siggi Kurtz nach einer Erkrankung Hartz
IV-Empfänger.
Er will sich unter anderem dafür stark
machen, dass die Hartz IV-Leistungen an die
gestiegenen Lebenshaltungskosten angepasst
werden, das Lohnniveau entsprechend der
gestiegenen Lebenshaltungskosten erhöht wird,
der Solidaritätszuschlag abgeschafft wird,
Kinder aller Einkommensschichten gleiche
Bildungschancen erhalten, der Volksentscheid
auf Bundesebene eingeführt wird und
Gesundheit kein Luxusgut ist.
Siggi Kurtz hat den Präsidenten des Deutschen
Bundestags schon angeschrieben und um einen
Termin für die Übergabe der Unterschriften
gebeten. Ein Antwort blieb bisher aus. Meldet
sich Lammert nicht mehr, wird Siggi Kurtz die
Säcke mit den Unterschriften im Bundestag
abliefern.
Schon im Vorfeld werden Unterschriften
gesammelt. Kurtz rechnet mit Hunderten von
Rückmeldungen.
Kritiker hätten ihn gefragt, ob er überhaupt
die Belange der Bürger vertreten könne. „Muss
ich Abi haben oder einen Doktor-Titel, um die
Sorgen der Bürger nach Berlin zu tragen?“,
fragt er zurück.
Für den Fußmarsch stiftete ihm eine Frau,
selbst Hartz IV-Empfängerin, die nicht
genannt sein will, zwei Paar Schuhe. Parteien
boten ihre Hilfe an. „Ich möchte aber nicht
Aushängeschild für eine Partei sein“, so
Kurtz. „Ich werde für das Volk gehen.“ Siggi
Kurtz schrieb auch den Liedtext „Hand in
Hand“. Er befasst sich mit einer Aktion zur
Senkung des Benzinpreises, die der Rescheider
im vergangenen Jahr durchführte. Den Text für
den Song will der mit ihm befreundete
Berliner Liedermacher „MillionenSchulze“
aufnehmen. Das Lied soll dann im Internet für
90 Cent oder einen Euro heruntergeladen
werden können. Das eingenommene Geld soll
einem Verein gegen Kinderarmut gespendet
werden.
Siggi Kurtz wird auf seinem Protestmarsch in
die Bundeshauptstadt Fotos machen, die im
Internet veröffentlicht werden. Er hat vor,
ein Tagebuch zu führen, in dem er vermerken
will, wie die Menschen auf seine Aktion
reagieren. „Auch Kritiker sind willkommen“,
so der Rescheider.
Bis zum Start trainiert er fleißig. Eine
Wanderung führte ihn beispielsweise am
Samstag von Rescheid über Berk, Hallschlag
und Kronenburg nach Stadtkyll, von wo er sich
von seiner Frau Elfriede mit dem Auto abholen
ließ.
Jetzt fiebert Siggi Kurtz dem März entgegen.
http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1
233594805080.shtml